Standort

Der Standort von DF0MU befindet sich in JO32 auf dem Schöppinger Berg. Der Schöppinger Berg ist ein Ausläufer der Baumberge im westlichen Münsterland.

Für unsere Verhältnisse ist der Schöppinger Berg ein hoher Hügelrücken mit einer Höhe von ca. 160 m über dem Meeresspiegel; damit überragt er die Umgebung um ca. 100m. Auf dem unbewaldeten Hügelrücken gibt es neben dem Standort von DF0MU noch einen 74 m hohen Mobilfunkturm mit Aussichtsplattform und einen 137 m hohen Fernmeldeturm. Auch gehören ca 30 Windkraftanlagen zu den direkten Nachbarn.


Geschichtliche Entwicklung

Das Gelände während des zweiten Weltkrieges

Auch schon während des Zweiten Weltkriegs wurde der Schöppinger Berg funktechnisch genutzt. Er war Standort einer Stellung der Funkmeßbeobachtung (FuMB) der deutschen Luftwaffe. Die dort betriebenen Anlagen waren Teil eines umfangreichen Funkortungs- und -störsystems , dessen Standorte in Nord-Süd-Ausrichtung vom Münsterland bis in die Eifel und zur Wasserkuppe reichten und sich gegen das "Oboe" genannte britische Funk-Fernführungsverfahren für Anflüge von Bombern auf Ziele der Industriemetropolen des Ruhrgebiets richteten.

Ab Ende 1942 verwendete die Royal Airforce ein hochpräzises Funk-Fernführungsverfahren mit der Bezeichnung "Oboe", dass es ermöglichte, mit entsprechenden Geräten ausgerüstete in 10.000 Metern Höhe fliegende Mosquito Bomber bis auf 100m genau an das Zielgebiet heranzuführen. Mosquito Bomber diensten auch als Pfadfinder und markierten das Zielgebiet für die nachfolgenden Bomberverbände durch optische Signalbomben, sogenannten "Tannenbäumen".

Das Grundprinzip von "Oboe" basierte auf zwei miteinander gekoppelten Stationen in Großbritannien mit den Decknamen "Katze" und "Maus" in der Nähe von Dover und Cromer sowie einem Transponder an Bord des Mosquito Bombers. "Katze" und "Maus" waren zudem an eine hochgenaue Zeitbasis angebunden. Jede der Stationen konnte die Rolle von "Katze" oder "Maus" übernehmen. Man stelle sich um diese Stationen gezogene konzentrische Kreise in unterschiedlichen Entfernungen vor, die durch Zielgebiete im Ruhrgebiet verlaufen. Z. B. durch Krefeld (Route 1), Duisburg (Route 2), Essen (Route 3) und Bochum (Route 4). Der Mosquito Bomber flog von Norden oder Süden kommend auf einem der Kreise (Route 1 bis 4) um eine der Stationen das Ziel an. Dabei wurden von beiden Stationen um Millisekunden zeitversetzt kontinuierlich Impulse ausgesendet, die vom Transponder an Bord des Mosquito beantwortet wurden. Aus den Laufzeitunterschieden der auf ca. 240 MHz abgestrahlten Antwort-Impulse des Bord-Transponders konnte die exakte Position des Mosquito bestimmt werden.

Ein zusätzlich vom Sender "Maus" ausgesendeter konstanter Ton, ähnlich dem einer "Oboe" (daher stammt auch der Name des Verfahrens), signalisierte dem Piloten, dass er auf Kurs war. Eine Reihe von Punkten bzw. Strichen in Morsecode signalisierte ihm, dass er zu nah oder zu weit von der Ziel-Kreislinie entfernt anflog. Die Buchstaben A bis D in Morsecode informierten ihn über die verbleibende Flugzeit bis zum Ziel. Wenn der Mousquito das Zielgebiet erreichte, wurde dies durch 3 Punkte gefolgt von einem Strich - dem Buchstaben V - signalisiert.

Wegen des bogenförmigen Anflugs wurde das Verfahren auf deutscher Seite nach dessen Entdeckung "Bumerang" genannt.

Interessanterweise waren auf britischer Seite bei der Entwicklung des "Oboe" Funk-Fernnavigationsverfahrens Funkamateure beteiligt und es war auf deutscher Seite eine bei der Funkmeßbeobachtung tätige Gruppe von Funkamateuren, denen die Aufklärung des "Oboe" Verfahrens im Laufe des Jahres 1943 gelang.

Mangels geeigneter Geräte kombinierten diese Funkamateure den vorhandenen "Naxos" Empfänger für den 9cm Bereich mit dem im Durchmesser 3m großen Spiegel eines "Würzburg A" aktiven Ortungsgerätes und schufen damit ein hochempfindliches Empfangsgerät, das die Signale des H2S Bodensichtgerätes des Mosquito empfing, sobald Sichtverbindung hergestellt war.

Ein verbessertes Gerät wurde "Naxburg" genannt. Die ersten eingerichteten "Naxburg" Stellungen waren Schöppingen und Isenbügel bei Kettwig (unmittelbar in der Nachbarschaft von Heiligenhaus und Velbert, woher auch einige der bei DF0MU aktiven Funkamateure stammen). Insgesamt Sieben dieser "Naxburg" Stellungen und ein aktives "Freya" Ortungsgerät in Duisburg-Huckingen wurden rund um das Ruhrgebiet positioniert.

Nachdem in Elten und Isenbügel zusätzliche Empfänger vom Typ "Domeyer" eingerichtet worden waren, die auch die eigentlichen Fernführungssignale der Stationen "Katze" und "Maus" auf ca. 240 MHz empfangen konnten, wurde "Oboe" vollständig enttarnt und die deutsche Funkmeßbeobachtung war in der Lage, das Zielgebiet der Mosquito Bomber 8-10 Minuten vor Erreichen zu bestimmen und Luftalarm auszulösen. Später wurden zum Stören des "Oboe" Verfahrens 12 Anti-Bumerang Störsender des Typs" Karl" entlang der Flugrouten errichtet. Zu dieser Zeit ging der Spruch um:" Ein Tommy flog auf Bumerang, links hörte er kurz, rechts hörte er lang, bis dass ein ABG (Anti-Bumerang-Gerät) ihn störte und er īnen alten Scheißdreck hörte". Um den Störungen zu entgehen wurde mit der Weiterentwicklung des "Oboe" Verfahrens (Oboe MK.III) die genutzte Frequenz für die Fernführung in den Bereich 9cm verlagert und das Katz und Maus Spiel begann von vorne.

Weitere Informationen und Bilder auf der Website http://www.gyges.dk.

Das Gelände nach dem zweiten Weltkrieges

Nach dem Krieg wurde im Jahr 1963 auf dem Schöppinger Berg der Funkleitstand einer NATO NIKE-Raketenstation eingerichtet. Dieser Funkleitstand wurde vom amerikanischen und niederländischen Militär betreut. Die NIKE-Station gehörte zu einem im "Kalten Krieg" aufgebauten Verteidigungsgürtel, der hauptsächlich der Luftverteidigung diente. Die Station war aber auch für Bodenangriffe in bis zu 180 km Entfernung ausgelegt. Die damals eingesetzten Raketen mussten während des kompletten Fluges überwacht und gesteuert werden. Für genau diese Aufgaben wurde das Gelände genutzt. Im Jahre 1987 wurde der Funkleitstand dann vom Militär verlassen.

Im Zeitraum 1987 bis 2004 wurde das Gelände nur in kleinem Maß landwirtschaftlich genutzt und wurde während dieser Zeit der Natur überlassen.

Heutige Nutzung des Geländes

Ab dem Jahre 2004 wird wieder Funkbetrieb auf dem Gelände gemacht; jetzt allerdings Amateurfunk bzw. als Antennenmessgelände der FH Münster Abtl. Steinfurt. Die lange Nichtnutzung des Geländes hat sowohl den Gebäuden als auch der restlichen Infrastruktur nicht gut getan, so dass parallel die Renovierung der Gebäude und Wiederherstellung der Infrastruktur wie z.b. Strom, Wasser, Telekommunikation in Angriff genommen wurde.

Aktivitäten im OV Rheine N16

Im Ortsverband Rheine gibt es schon seit einigen Jahren rege Aktivitäten auf den Bändern 2m und höher. Die Mitglieder des OV Rheine, N16 waren dabei sowohl unter den Clubrufzeichen DF0RE (bis 2004) und DK0QQ (heute) als auch unter ihren eigenen Rufzeichen in den DARC- und IARU-Contesten recht aktiv.